Fangen wir von vorne an.
Marx meinte, Religion sei Opium für das Volk. Sie schläfere uns ein, lasse uns die Strukturen der Macht und Unterdrückung einfach hinnehmen. Lasse uns erblinden und erlahmen, an unserem eigentlichen Auftrag und unserer Bestimmung, aus diesen Strukturen auszubrechen bzw. diese zu zerstören. Ein typisch neognostisches Phänomen.
Neognostisch Was?
Neognostizismus & christentum
Und im Bereich der Politik kann der von der Gnosis infizierte Christ in ihr das Allheilmittel sehen. Wie das Msgr. James P. Shea in „The Religion of the Day“ darstellt, ist das eine notwendige Konsequenz der Gnosis, da gemäß ihr das Heil ja genau in der Umwandlung von äußeren Machstrukturen bestehe. Politik ist dann „nicht mehr eine sekundäre (wenn auch nicht unwichtige) Arena menschlichen Schaffens, ein Platz, wo Kompromisse oft notwendig sein werden, um das Gemeinwohl und sozialen Eintracht zu wahren.“ (Shea) Politik wird dann eher zum eigentlichen Schauplatz des religiösen Ringens, es ist DAS Mittel, um die Strukturen mit Unterdrückung unter Kontrolle zu bekommen und eine bessere Welt zu schaffen.
Der Christ hingegen engagiert sich sehr wohl für eine soziale Verbesserung unserer Welt und für politische Anliegen. Der Christ wird um eine Gesellschaft, wo Gerechtigkeit und Liebe herrscht, ringen. Aber das, wie Msgr. Shea erinnert, was die Christen nicht tun werden oder tun sollten, ist, „ihre Hoffnung darauf zu setzen, die Welt allein durch menschliche Mittel zu reparieren“ oder die Welt, wie sie beschaffen ist, durch ein „besser funktionierendes Modell zu ersetzen“. Der Christ wird sich davor hüten. Er sollte wissen, dass moralischer Fortschritt auch sehr schnell Rückschritt werden kann (siehe zum Beispiel im letzten Jahrhundert). Der Christ weiß, dass die Politik nicht an die Wurzel menschlichen Übels herankommen KANN, dass die Quellen des Heils für diese Übel in ganz andere Sphären zu suchen sind und dass die Politik uns im Letzten weder den Niedergang noch das Heil verschaffen wird. Er ist sich bewusst, dass „das letzte Schicksal der sichtbaren Welt von viel höheren, unsichtbaren Wirklichkeiten abhängig ist.“
Wenn Religion von Politik durchsäuert wird, ist sie toxisch. „Marx meinte, Religion sei das Opium für das Volk, ich sage, Politik ist Heroin für die Religion.“ (Fulton Sheen) Ein Beispiel aus den USA: Die frühe Kirche hatte zum Beispiel eine große Klarheit um vier Themen herum: 1. Keine Abtreibung, keine Euthanasie. 2. Sex gehört in eine Beziehung zwischen Mann und Frau innerhalb der Ehe. 3. Gleichheit aller Menschen, egal welcher „Rasse“ oder ob Mann oder Frau. 4. Die präferenzielle Entscheidung für die Sorge um die Armen und Ausgegrenzten.
Die ersten beiden Themen hören sich sehr „Republican“ an. Die anderen beiden schmecken sehr nach „Democrats“. Und das wird dann in den Kirchengemeinden echt zum Problem, wenn sich Mitglieder entlang politischer Präferenzen spalten lassen anstatt zu wissen, dass sie zuerst Christen und Bruder und Schwester sind und erst danach einer politischen Partei zugehörig. Wenn sie das Evangelium von ihren politischen Präferenzen durchdringen lassen anstatt ihre politische Präferenzen vom Evangelium.