Der Menschenfischer an der Kuchentheke

Ein unerwartetes Ultimatum an Gott veränderte für Sascha alles. Früher war er Wein-Sommelier in der gehobenen Gastronomie, heute leitet er den Service im Café Karol. Er erzählt, wie der Rosenkranz ihn dorthin führte, wo Kuchentheke und Kapelle verschmelzen und einen Begegnungsraum schaffen, der völlig ohne Druck jeden willkommen heißt.

von | 6. Mai 2026

Vom Sommelier ins Missions-Café

Sascha ist das freundliche Gesicht mit der ruhigen Stimme, das uns immer wieder entgegenlächelt, wenn wir das Café Karol betreten. Er ist die Serviceleitung unseres gemütlichen Cafés an der Praterstraße. Der Wein-Somelier ist aus Deutschland nach Wien gekommen, und baut jetzt an unserer Vision mit, jedem mit der Liebe zu begegnen, mit der Gott uns begegnet.

Wie alles mit einem Ultimatum begann

Sascha war ein wahres „Gastrokind“. Bereits mit 12 Jahren jobbte er in der Gastronomie. Es war schon fast ein ungeschriebenes Gesetz, dass er später seinen Berufsweg in diese Richtung einschlug, und die Ausbildung zum Hotelfachmann und Wein-Sommelier machte. Jetzt ist er im Café Karol – obwohl er damals mit Gott garnichts zu tun hatte. Wie kam es dazu?

Katholisch erzogen und sogar Ministrant – die Kirche war Sascha nicht fremd. Dennoch war der Glaube für ihn etwas symbolisches oder mythisches, das kulturell in unseren Kreisen verankert ist. So verbrachte er seine Jungend und seine Twenties fern vom christlichen Glauben – bis er 30 wurde. „Angefangen hat alles mit Maria, als ich begonnen habe den Rosenkranz zu beten – weil ich eine Eingebung beim Joggen hatte. Das war so verrückt, da ich nicht in die Kirche ging, oder sonst Kontakt zum Glauben hatte“. 

So begann er den Rosenkranz regelmäßig zu beten. Er betont jedoch, dass dieses Gebet noch lange keine Betrachtung war – er betete ihn einfach „weil es ihm gut tat“. Irgendwann begann er dann, immer wieder in die Anbetung zu gehen und entschied sich, Gott ein Ultimatum zu stellen: „okay, Gott, wenn es dich wirklich gibt, gib mir eine Antwort – sag mir irgendwas, das ist jetzt die letzte Chance etwas zu sagen – ich komme nicht mehr.“

„Und dann zeigte sich Gott mir in der Eucharistie – und es war so stark, physisch spürbar. Es war ein Schmerz, es war ein Glücksgefühl, man kann es eh schwer beschreiben… ich denke, jeder, der so etwas schon mal erlebt hat, kann das nachvollziehen. Und am dem Tag hat sich alles geändert.“

So wurde Gott vom Unbekannten, zum König und am Ende, zum Freund.

„Der Himmel war blau, das Gras war grün – es ist als hätte ich mein Leben lang einen Schleier vor den Augen gehabt“ 

Ein offener Begegnungsraum

Sascha beschreibt das Café Carol als eine Art Grauzone – es ist weder ein klassisches Kirchencafé noch ein Café wie jedes andere. Es ist ein offener Begegnungsraum – eine Grauzone – an dem die unterschiedlichsten Menschen zusammenkommen können und sollen. Nachbarn, Stammgäste, internationale Hotelgäste unterschiedlichster Glaubensrichtungen, Mitarbeiter und Gemeindemitglieder. 

Offenheit ohne Druck

Das Gebäude, das sich das Café Karol und das Zentrum Johannes Paul II. teilen, ist der perfekte Ort für die gemeinsame Vision. Von außen sieht das Karol wie ein normales Kaffeehaus aus – mit Kuchentheke, Sitznischen und viel Grün. Erst nach einer Weile, oder, wenn man tiefer in das Gebäude hineingeht, fängt die schöne, moderne Kapelle den Blick ohne abschreckend zu wirken. Besonders nachts, wenn das warme Licht des Altarraums die Straße erhellt, wirkt das Haus einladend, ohne sich aufzudrängen. Die Hemmschwelle, die so oft zwischen Kirchenraum und Straße hinter schweren Türen ist, wird hier gesenkt. 

Jeder Fisch ist willkommen

Dąs Karol will verkörpern, was das Zentrum leben möchte. Wir möchte Menschenfischer sein. Und in den Worten von P. George:“Jeder Mensch (jeder „Fisch“) wird genau so angenommen, wie er ist, auch wenn er optisch oder auf den ersten Blick vielleicht nicht in eine Kirche passt. Jeder ist willkommen, völlig unabhängig davon, ob er nur einen Kaffee konsumiert oder die Kapelle betritt.

Jesus at the Center of it All

Ein zentrales Element von Saschas Vision für das Zentrum ist die Sichtbarkeit Gottes. Besonders am Abend ist der Altarraum hell beleuchtet, sodass Passanten von der Straße aus durch die Fenster direkt auf die große Monstranz mit der Hostie schauen können. Dies führt oft dazu, dass Menschen stehen bleiben, fasziniert schauen und sogar spontan eintreten. Für Sascha ist das Zentrum Johannes Paul II. wie dafür gemacht, die 24/7-Anbetung (die durchgehende eucharistische Anbetung) zu beherbergen, da die Räumlichkeiten genau diese offene Ausstrahlung fördern. Abseits der Gastronomie sieht Sascha das Zentrum als einen echten spirituellen Kraftort. Ihn bewegt, wie Gemeinschaft gelebt wird, insbesondere das „füreinander beten, füreinander einstehen, vor Gott“. Zu sehen, welche Früchte dieses gemeinsame Gebet trägt, ist für ihn eine ganz besondere, tiefgehende Erfahrung, die er in dieser Form erst im Zentrum Johannes Paul II. in der Praxis erlebt hat.

 Was empfiehlt Sascha also allen, die auch ihren Weg mit Gott beginnen wollen?

Einfach losprechen und Gott direkt zu adressieren, selbst wenn es sich für Zweifelnde anfangs so anfühlt, als würde man ins Leere oder „ins Nichts“ reden. Als zweiten wichtigen Schritt betont er, wie essenziell es ist, die Stille zuzulassen. In einer Zeit, die von ständiger Beschallung durch Podcasts, Fernsehen oder Musik geprägt ist, sollte man bewusst einen ruhigen Ort aufsuchen, da Gott gerade in der Ruhe und im „stillen Säuseln“ zu finden ist.

Zusätzlich empfiehlt er, sich einen persönlichen Schutzpatron auszusuchen, der als Begleiter auf dem Glaubensweg dient. Da jeder Heilige einen anderen Charakter und einen eigenen Blickwinkel auf Gott hat, kann dort jeder eine passende Orientierung finden. Abschließend verweist Sascha auf das Bild der „zwei Säulen“ aus einer Vision des Heiligen Don Bosco: Wer sich an der Eucharistie und der Muttergottes orientiert, hat eine sichere Basis („eine safe Nummer“) für seinen spirituellen Weg