Identität. Sie ist in aller Munde. Wer bin ich? Wie finde ich mich? Wie werde ich ich selbst? Wie der Goldfisch, der seinen Kumpel fragt, wie das Wasser sei – und der Kumpel antwortet: „Was ist Wasser?“ Wenn es keinen gemeinsamen Konsens mehr darüber gibt, beginnen wir über etwas zu diskutieren, was davor einfach als selbstverständlich betrachtet worden ist. Nicht, dass dies in allem schlecht ist. Es führt uns dazu, tiefere Fragen zu stellen. Das authentische „Ich“ wird heute oft genug einfach mit Darstellung, Ausdruck oder Entfaltung des Selbst gleichgesetzt. Christlich ist das allerdings nur dann noch, wenn das „Selbst“ einen Bezugspunkt hat, der über das Selbst hinausragt.

Authentisch „ich selbst“ kann ich nur werden, wenn ich mich an einer objektiven inneren oder äußeren Welt messe, die nicht nur einfach ein Produkt der eigenen Willkür ist. Wenn meine Selbstdefinition mit einer objektiven Ordnung der Dinge übereinstimmt. Ich kann mich als Vogel definieren und meine wirkliche Identität zerstören, nachdem ich vom Turm des Stephansdoms hinuntergesprungen bin, weil ich tot sein werde – egal wie „authentisch“ ich meine Selbstdarstellung einschätzte. Der Mensch ist nicht Schöpfer seiner eigenen Identität, höchstens seines eigenen Niedergangs. Ja, er ist auch fähig, sich dem zu nähern, was ihn eigentlich ausmacht. Aber nicht deswegen, weil er sich selbst erfunden hätte, sondern weil er immer mehr die Identität entdeckt und vorfindet, die ihm geschenkt wurde.

„Christus macht dem Menschen sein Menschsein kund.“ (II. Vatikanum) In diesem kurzen Satz ist die christliche Sicht von Identität enthalten. Wenn ich wissen will, wer ich bin und was ich sein kann, dann muss ich auf Christus schauen. Aber richtig. Und das kann nur dann geschehen, wenn ich mich in seine Nachfolge begebe, wenn ich mich auf einen Weg mit ihm einlasse. Nur dann wird man erfahren, dass Gott weder gegen die eigene Identität konkurriert noch das